Warum wir manchmal so reagieren, wie wir es gar nicht wollen: Gerade in intensiven Zeiten gibt es diese Momente, in denen du anders reagieren willst und es trotzdem nicht schaffst. Oft erzählen sie mehr über deine eigene Geschichte als über dein Kind.
Gerade in den Ferien, an Feiertagen oder wenn einfach alles intensiver ist, passiert es schneller: Ein Satz, ein Blick, ein Gefühl und schon reagierst du so, wie du es eigentlich nicht willst. Nicht, weil du ein „schlechter“ Elternteil bist, sondern weil dein System gelernt hat, so zu funktionieren, lange bevor du selbst Mama oder Papa wurdest. Viele Konflikte mit unseren Kindern sind deshalb keine Erziehungsfragen, sondern Beziehungsfragen. Sie haben mit den Erfahrungen zu tun, die wir selbst gemacht haben, mit dem, was wir über Beziehung gelernt haben. Oft zeigt sich das in Sätzen, die wir früher gehört haben: „Du machst mich wahnsinnig.“ „Wenn du dich so verhältst, bin ich traurig.“ Als Kind hast du daraus vielleicht gelernt, für die Gefühle der anderen verantwortlich zu sein. Eine Verantwortung, die dort nicht hingehört und vor allem für Überforderung sorgt. Und die sich später wieder meldet, nämlich dann, wenn dein eigenes Kind starke Gefühle in dir auslöst. Wenn dir das nicht bewusst ist, passiert es schnell, dass du dich selbst verlierst und nur noch reagierst oder dich zurückziehst, statt wirklich in Kontakt zu bleiben. Und genau da kann eine Chance liegen. Nicht, um dich dafür fertig zu machen, sondern für einen ehrlichen Moment, in dem du erkennen kannst: Ich wollte gerade anders sein. Und war es nicht. Zu merken, was in dir passiert, ohne es sofort wegzudrücken oder zu bewerten. Manchmal entsteht daraus auch wieder Verbindung, zum Beispiel, wenn du deinem Kind sagst: „Gerade eben war ich nicht richtig da. Das hatte mehr mit mir zu tun als mit dir.“ Unsere eigenen Prägungen verschwinden nicht einfach. Sie zeigen sich besonders dann, wenn es eng wird – zwischen Nähe und Konflikt. Besonders dann, wenn sie uns nicht bewusst sind. Deshalb ist es so wichtig zu merken: Das gehört zu mir. Und genau darin liegt Veränderung. Es geht nicht um perfekte Reaktionen, sondern darum, zu bemerken, was dahinter liegt. Das ist kein gerader Weg, es ist ein Prozess, der dich immer wieder mit deiner eigenen Geschichte konfrontiert. Und je mehr du sie erkennst, desto weniger bestimmt sie, wie du heute deinem Kind begegnest.