Wir wollen unsere Kinder fühlen – und merken doch, wie schwer es ist, uns selbst zu fühlen. Zwischen Funktionieren und Authentizität zeigt sich, warum Elternsein heute oft so anstrengend ist.
Zwischen Brotdosen und Einschlafbegleitung, zwischen Tränen und To-do-Listen liegt ein Gefühl, das viele Eltern kennen: Erschöpfung. Und oft liegt sie nicht an unseren Kindern. Auch wenn der Alltag stressig ist, einer weint, ein anderer Hilfe braucht und noch jemand was in die Eltern-WhatsApp-Gruppe geschrieben hat, das dringend unserer Aufmerksamkeit braucht. Es liegt an dem Modus, mit dem wir all dem begegnen. Und der heißt viel zu oft: Funktionieren. Wer funktioniert, schaltet einen Teil von sich ab. Und ohne diesen Teil wird Beziehung schwer. Zu unserem Kind. Zu Partner*in. Zu uns selbst. Funktionieren? Kann ich! Als Millennial-Eltern haben die meisten von uns gelernt: Nicht so empfindlich sein. Nicht so viel fühlen. Nicht so viel brauchen. Und schon gar nicht wollen… Heute wollen wir! Wir wollen unsere Kinder fühlen. Doch genau hier entsteht die Spannung: Wir wollen fühlen, aber unser Inneres ist auf Funktionieren trainiert. Und was es uns dabei so schwer macht, ist, dass wir das Funktionieren kennen. Und können. Es hat uns getragen, uns sicher gemacht. Wer funktioniert passt rein. Das Fühlen haben wir uns dagegen ein wenig vom Hals gehalten, weil wir früh gelernt haben, uns zu regulieren, statt uns zu zeigen. Wenn wir Kinder haben, geht das nicht mehr. Sie sind pure Emotion und wir tun gut daran, sie mit all diesen zu fühlen, zu spiegeln und ihre pure Freude genauso zu sehen, zu erleben und zu begleiten, wie Wut oder Frust. Sein Kind begleiten – sich selbst begegnen Stecken wir aber in unseren Mustern, spüren wir, wenn Kinder weinen, nicht nur ihr Gefühl, sondern gleichzeitig unsere eigene Überforderung. Wenn sie wütend sind, spüren wir nicht nur ihre Wut, sondern unsere alte Hilflosigkeit. Wenn sie Nähe brauchen, merken wir, wie wenig Nähe wir selbst gelernt haben zu halten. Und genau das macht es so anstrengend. Weil wir nicht nur unser Kind begleiten, sondern gleichzeitig gegen unsere eigenen alten Muster ankämpfen. Das schwierige und gleichzeitig wunderbare dabei ist: Je mehr wir uns erlauben zu fühlen, desto weniger müssen wir gegen uns selbst ankämpfen. Und desto weniger wird Elternsein zum dauerhaften Kraftakt. Und vielleicht ist das die eigentliche Aufgabe unserer Generation: nicht bessere Eltern zu werden, sondern authentische.